Die Baugeschichte der Villa

Die Villa hat ungewöhnlich lange bestanden und wurde mehrfach aus- und umgebaut. Die Perioden sind:

Holzbau: Der älteste fassbare Bau an dieser Stelle ist eine Konstruktion aus Holz. Zu ihm gehört im N-Teil eine Reihe Gruben, in denen massive Holzpfosten tief in den Boden eingesetzt wurden. Solche Pfostengruben und Gräbchen, in denen die schwächeren Mauern fundamentiert waren zeigen sich auch im westlichen Teil und unter dem späteren zentralen Hof. Die stärkeren Mauern waren wohl aus Lehmfachwerk oder aus Lehmziegeln. Der Grundriss ist nicht vollständig erfasst, doch ist sicher dass die Orientierung um etwa 7 Grad von der der späteren Bauten abweicht. Eine Münze des Kaisers Galba aus einem zugehörigen Gräbchen erlaubt eine Datierung dieses Baues in die Jahre nach 69 n. Chr. jedenfalls in die 2. Hälfte des 1. Jh. n. Chr.

 

Holzbau

 

Fachwerkbau: Die nächste Bauperiode hatte Steinfundamente, die in anderer Orientierung liegen als der Holzbau. Die Mauern waren aber teilweise aus Lehmziegeln, teilweise aus Fachwerk aus errichtet. Die Bauteile umschließen einen Hof. An der N- und der S-Seite jeweils schmale Räume bzw. ein Gang, im Osten und Westen jeweils zwei Raumreihen. Diese Fundamente wurden meist in den folgenden Perioden überbaut, sie ließen sich aber als unterste Lagen der Fundamente erkennen, auf denen eine dünne Erd- oder Lehmschichte lag. Diese Schichte stammte von den Lehmziegeln aus denen das „Aufgehende“ der Mauern gebaut war. Als Datierung dieses Baues kann die Zeit um 120/130 n. Christus angenommen werden. Der Bau war auch schon mit Wandmalerei ausgestattet und mehrere Räume hatten einen sehr qualitätvollen Estrichboden. Hier residierte wohl M. Cocceius Caupianus. Im Hof wurde eine Tenne angelegt, er war also gleichzeitig der Wirtschaftshof eines landwirtschaftlichen Betriebes. Wegen der späteren Überbauung ist der Grundriss nicht ganz sicher festzustellen, doch scheint an der NW-Ecke ein Risalit bestanden zu haben und an der S-Seite bereits eine einfache Halle.

Fachwerkbau

 

Steinbau: Die folgende Steinbauperiode ist durch Mauerwerk mit Fugenstrich charakterisiert. Wieder meist über schon bestehenden Mauern werden nun größere Räume gebaut und besonders wird das Niveau der Räume deutlich, um etwa 80 cm erhöht. Ein Zugang im Norden erhält dafür einen kleinen Vorbau mit einer Rampe um den Höhenunterschied zu überwinden. Der Grund dürfte sein, dass nun in einigen Räumen Hypokaustheizungen eingebaut werden. Der größte beheizte Raum liegt in der Mitte des Osttraktes. Der Grundriss zeigt deutlich einen Bau, der um einen zentralen Hof angelegt ist. An der Südfront sind zwei Risaliten und eine langer Gang, eine Porticus zu erkennen. Dieser Bau wurde um oder bald nach 180 n. Chr. errichtet. Später wurde zu einem nicht bestimmbaren Zeitpunkt ein Flugdach eingebaut, das auf zwei massive Pfeiler im Hof abgestützt ist und auch am N-Rand des Hofes wurde ein Gang eingebaut.

 

Steinbau

 

Palast: Die letzte Periode ist der große, seit lange bekannte palastartige Ausbau, zu dem die Mosaiken gehören. Sie ist bautechnisch durch Mauern mit Ziegeldurchschuss charakterisiert. an der Nordseite werden durch den Neubau des großen Saales einige Räume kassiert. Die Eckrisaliten erhalten apsidalen Abschluss und der Hof wird durch kleine Räume und einen Gang komplett verbaut. In vielen Räumen werden Kanalheizungen eingebaut, in einigen Fällen aber nicht fertiggestellt, wiel die Heizstellen fehlen. Die Datierung dieser Periode in die Zeit nach 350 n. Chr. ist durch entsprechende Münzfunde im Unterbau der Böden gesichert.

 

Palast

 

Nachnutzung: Ausflickungen an den Mosaikböden und schlecht erhaltene Bodenreste, in denen charakteristische Keramik gefunden wurde, belegen eine letzte Ausbesserung, die wohl in das 5. Jh. n. Chr. zu datieren ist.

 

 

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